Ton - Melodie - Lied

Hören, Spüren und Singen

 

Melodie ist neben Rhythmus die zweite große Säule der Musik.

Ohne Ton keine Musik, oder: der Ton macht die Musik.

 

Dabei geht es um die Differenzierung der Sprechstimme und der Singstimme.

Viele Kinder versuchen mit ihrer Sprechstimme zu singen, was unweigerlich zu Frustration führt. Denn die Sprechstimme ist weit weniger flexibel im Stimm-Umfang als die Singstimme und wird z.T. auch von anderen Muskeln und Nerven innerviert.

 

Am Anfang steht das Hören und Spüren. Einen Ton hören, ihn in der eigenen Stimme finden und die Vibration des Tones im eigenen Körper spüren. Dieser Prozess führt über die Resonanz im eigenen Körpergewebe zu einem klaren Sington.

 

Die Schulung des Hörens ist von enormer Wichtigkeit und macht– ob Anfänger oder Profi- mindestens 50% des Gesanges aus.

Der Bewusstseinsprozess, der damit verbunden ist (passives Zu-Hören, sich unterordnen, sich einfügen und „verschmelzen“ im Ton ), ist außerdem ein starkes Therapeutikum gegen den Egoismus und die Ellenbogengesellschaft unserer heutigen Zeit, die ja auch in den Schulen zu finden ist.

Über das Ohr ist man stets mit der Umwelt verbunden, viel mehr als mit dem Auge, das man nach Belieben schließen kann.

Aufmerksames Hören führt auch dazu, sich selbst besser zuzuhören, d.h. sowohl die eigenen Worte und Handlungen bewusster wahrzunehmen und dafür Verantwortung zu übernehmen, als auch die eigene Befindlichkeit und die „innere Stimme“ besser zu „hören“.

 

Das Spüren der Tonvibration im eigenen Gewebe und in den eigenen Ohren führt zu einem Bei-Sich-Bleiben und einem individuellen authentischen Ton, das, was einen Zuhörer am meisten berührt.

Dieser essentielle Ton ist frei von den Masken des Sich-Verstellens, des Sich-Produzierens oder Sich-Versteckens.

Er ist wie er ist und wird getragen von dem inneren Schwingungs-Raum, in den sich auch der Atem mühelos einfügt. (Deshalb ist u.a. das Singen auch eine gute Behandlungsform für Asthma-Kranke).

 

Diese Form des Singen über das Spüren unterscheidet sich von dem eher motorisch orientierten Singen über das Trainieren der „Gesangsmuskeln“ und über Atemübungen.   

 

Die Kinder lernen z.B. über Tonglissandi den Tonumfang zu erweitern, sowie über Ton-Spiele (Töne weitergeben, zuwerfen, nach Tönen laufen, als Echo singen...) die Leichtigkeit und die Freude am Tönen. Dann kann freies Tönen, geleitet über das Ohr, zu einem kreativen Hochgenuss werden.

 

Werden dann noch Melodien/Lieder gesungen und von der Gitarre begleitet, oder gar Kanons und mehrstimmige Lieder, dann wird das Leuchten in den Kinderaugen die Freude des Da-Seins im Moment wiederspiegeln, und dieser Moment könnte sich auch in den schulischen Alltag hinein ausdehnen...